Fallschirmzielspringen

Man kann das Grundkonzept in fünf Phasen unterteilen. Um ein systematisches Vorgehen im Training zu gewährleisten, kommt es darauf an, die Schwerpunkte der einzelnen Teilabschnitte zu erkennen und umzusetzen. Des weiteren muss zwischen Übung, Wettkampf und Einsatz / Taktik (z.B. Militär) unterschieden werden.

Phase 1 Absprung mit anschließender Schirmöffnung
Phase 2 Der Windcheck
Phase 3 Der Endanflug
Phase 4 Die Feinannäherung
Phase 5 Die Landung

Bei den Phasen 3 - 5 muss zwischen Sport und Einsatz unterschieden werden!!!

 

 

Absprung mit anschließender Schirmöffnung

Bevor der Springer in die Absetzmaschine steigt, beurteilt er die bestehenden Windverhältnisse. Dazu gehören in erster Linie die Windrichtung- und stärke. Diese Informationen erhält er vom Windsack oder von der Windfahne (Drifterstange). Des weiteren empfiehlt es sich einen Winddrifter zu werfen oder sich an Windspringern (Wettkampf) zu orientieren. Flaggen und Rauch (z.B. Fabrikschornsteine) sind ebenfalls gute Hilfen. In der taktischen Springerei kommt die Möglichkeit hinzu, sich vor dem Sprung in unbekanntes Gelände, die aktuelle Windrichtung auf dem Kompanten einzustellen. Nach Auswertung aller Informationen werden der Absetzpunkt und das anschließende Ablaufkonzept des Sprunges (Sprungreihenfolge, Öffnungshöhen, Staffelung, voraussichtlicher Verlauf des Endanfluges) festgelegt.

Allgemeiner Grundsatz zum Absetzverhalten:
Der Anflug der Absetzmaschine erfolgt i.d.R. immer gegen den Wind. Sollte dies aus bestimmten Gründen einmal nicht möglich sein, so wird die Anflugrichtung vorher bekannt gegeben. Springt ein Team bei wenig Wind, verlässt der erste Springer auf Höhe oder kurz hinter dem Zielpunkt die Maschine, alle weiteren Springer folgen in Abständen von 3-5sek. Mit zunehmend stärker werdendem Wind vergrößert sich der Abstand des Absetzpunktes des ersten Springers zum Zielpunkt. D.h., es wird immer so abgesprungen das sowohl der erste, als auch der letzte Springer das Ziel erreichen können. Nach dem erfolgten Absprung öffnet der Springer den Schirm (Öffnen auf Sicht oder vorher festgelegten Öffnungshöhen). Nach dem Überprüfen des offenen Schirmes gilt es die konkrete Situation zu erkennen. Am Schirm werden jetzt alle zur Verfügung stehenden Hilfsmittel wie Windsack, Rauch, andere Springer etc. beobachtet. Stimmen alle Faktoren (in der Windachse, Staffelung usw.) mit dem Konzept überein, fährt man der vorgegebenen Taktik entsprechend den Ausgangspunkt für den Windcheck an.

 

Was machen, wenn einer oder mehrere Faktoren nicht stimmen?

Der Höhenabstand zum Vordermann ist zu gering oder man hängt sogar tiefer!
Normalerweise wird nach unten Platz gemacht, d.h. die unteren Springer schrauben (schnelles Abbauen von Höhe durch den Griff in eine der äußeren Fangleinen des Fallschirmes) und schaffen somit genügend Abstand. In diesem Fall genügt es, wenn sich der zu tief hängende Springer in "halber Bremse" gegen den Wind stellt und solange wartet, bis die Höhenverhältnisse wieder stimmen. Bei der "halben Bremse" gegen den Wind verliert der Springer am wenigsten Höhe. Eine weitere Möglichkeit ist es die Positionen einfach zu tauschen. Hierzu müssen jedoch beide Springer die Lage erfassen und umsetzen, um nicht Gefahr zu laufen gleichzeitig das Ziel zu erreichen. Bei einer großen Landefläche kann notfalls auch gemeinsam gelandet werden, wir das Ziel jedoch kleiner oder gerade bei Nacht, kann man davon nur abraten. Ein Tauschen wäre z.B. denkbar, wenn ein Springer ständig auf den Vordermann auffährt und dies auch nicht durch bremsen verhindern kann (evtl. Gründe: Sinkverhalten des Schirmes unterschiedlich, falsche Gewichtseinschätzung). Ebenso wichtig ist es den gleichen Anflugweg zu nehmen, wie der Vordermann, denn das Sinkverhalten über einem See, einem Wald, einem Feld, bebautem Gelände oder einer Straße etc. ist jedes Mal ein Anderes.

 

Man hängt nicht in der Windachse!
Stellt man dies fest, so sollte man zuerst versuchen auf diese zurück zu kommen. Dies ist solange unbedenklich solange man weit genug vom Ziel entfernt ist. Mit abnehmender Entfernung zum Ziel, kann dies jedoch problematisch werden, denn sollte der Wind in Relation zur Zielentfernung zu stark sein, würde er den Springer am Ziel vorbei treiben. Nun ist es wichtig nicht mehr mit dem Wind zu fahren, sondern den Wind zu kreuzen (gieren). Man spricht davon den Schirm "seitlich reinschmieren" zu lassen.

 

Komplikationen am Schirm!
Es ist nie auszuschließen das zusätzliche Probleme am Schirm auftreten (Knoten in der Steuerleine, reißen einer Steuerleine usw. ). Hier steht die Sicherheit des Springers an erster Stelle. Wichtig ist es jetzt, die Ruhe zu bewahren und den Überblick zu behalten!!! Es beginnt ein Einschätzen der Lage. 
- Muss ich womöglich die Reserve aktivieren?
- Hält der Schirm? 
- Kann ich sicher landen?
- Gefährde ich mich oder die Anderen?
- Erreiche ich mein Ziel? 
- Wo kann ich sonst noch landen ohne den Auftrag und mich selbst zu gefährden?
- usw.
Nach Abwägung aller Punkte trifft der Springer dann SEINE Entscheidung!!!

Wann sollte man eine Reserve aktivieren?

Der Windcheck

Der Windcheck sollte unbedingt gemacht werden, nur so aus dem Gefühl heraus zum Ziel ist einfach zu unsicher. Der Check gibt dem Springer die Information über das Windverhalten bei der Landung. Anhand dieser Information plant der Springer seinen Endanflug. Während des Windchecks kommt es darauf an, das Flugverhalten der Kappe im leicht bis stark gebremsten Zustand festzustellen. Dies geschieht in einer Höhe von etwa 200 - 300m über Grund (nach den Fähigkeiten des Springers, d.h. der Windcheck kann auch für Anfänger etwas höher gemacht werden), rechts oder links versetzt zum Zielpunkt. Die Steuermanöver während des Windchecks geben dem Springer Aufschluss darüber, welcher Steuerbereich des Schirmes das beste und bequemste Steuerverhalten für die Phase des Endanfluges aufweist. Um den Ausgangspunkt für den Endanflug zu erreichen wird der Schirm in einem etwa 50% gebremsten Zustand geflogen. Während dieser Phase ist es wichtig Windsack, Fahnen und Zielgelände nicht mehr aus den Augen zu lassen. Nun gilt es die aktuelle Windsituation (Windstärke und -richtung) korrekt zu deuten, um etwaige Veränderungen des Windes bei der Wahl des Endanflugpunktes noch mit einbeziehen zu können.

 

Der Endanflug

Die "Abfahrtshöhe" des Endanfluges sollte etwa bei 100 - 150m über Grund liegen, der Anflugwinkel hängt dabei von der Windgeschwindigkeit ab. Hierbei gilt:
Wenig Wind - flacher Anflugwinkel;
viel Wind - steiler Winkel.
Höhe und Entfernung zum Ziel stimmen dann, wenn der Schirm in der aus dem Windcheck erarbeiteten Steuerhaltung bequem und ohne größeren Kraftaufwand auf den Zielpunkt zugesteuert werden kann.

Während des Endanfluges ist darauf zu achten, dass
- Der Springer ruhig, locker und nicht verkrampft unter der Kappe hängt,
- der Schirm sauber auf der Windachse geführt wird,
- das System Springer - Fallschirm ständig bis kurz über dem Ziel in kontrollierter Vorwärtsfahrt ist,
- größere Steuerkorrekturen so früh wie möglich ausgeführt werden, so dass im letzten Teil des Endanfluges nur noch kleine Bewegungen erforderlich sind.

Es empfiehlt sich, den Endanflugspunkt mit leichter Überhöhung in der 50% Bremse zu erreichen, damit der Beginn des Endanfluges so optimal wie möglich eingeleitet werden kann und noch genügend Reserven nach vorne und hinten vorhanden sind.

Beim "taktischen Springen" erfolgt nach dem Ende der Phase III eine möglichst "ausgeflarte" Landung im Zielgebiet.

 

Die Feinannäherung
gilt nur für das Wettkampfspringen auf eine Nullscheibe

In der Phase der Feinannäherung kurz über der Scheibe gilt es, mit möglichst geringer Geschwindigkeit das Ziel so anzufliegen, dass dem Springer genug Zeit bleibt exakt auf der Nullscheibe zu landen. Die beim Bremsen des Zielschirmes verbleibende horizontale Geschwindigkeit soll dabei nur geringfügig über der gerade am Landeplatz herrschenden Windgeschwindigkeit liegen, damit das System Springer - Fallschirm fast senkrecht mit einer geringen Vorwärtsfahrt auf die Scheibe sinkt. Diese Phase des Zielsprunges verlangt vom Springer ein Höchstmass an Konzentration, gute koordinative Reaktionen und exaktes Steuerverhalten. Die Position 1 bis 2m über der Scheibe entscheidet letztendlich, ob die Landung mit ruhigen und kontrollierten Bewegungen erfolgt oder nicht.

 

Die Landung
gilt nur für das Wettkampfspringen auf eine Nullscheibe

Mit Beginn der Landephase ist der Springer in einem Zustand höchster Konzentration und Aufmerksamkeit. Der optimale Ablauf der Landung ist dabei in Gedanken fixiert, alle Aufmerksamkeit gilt nur noch den momentanen Handlungen, die eine kontrollierte Landung auf der Zielscheibe gewährleisten.

Vorraussetzungen für eine optimale Landung:
- Auch während der Landung heißt die Devise: Locker und entspannt im Gurtzeug!
- Die Scheibe liegt frontal unter dem Springer.
- Die optimale Landeposition wird bis zur tatsächlichen Scheibenberührung durch Steuerkorrekturen am Schirm erflogen.
- Erst mit der Landung wird der Fuß bewusst auf die Scheibe gesetzt.
- Der Landefuß wird so fixiert, dass die Ferse zuerst die Scheibe berührt.